{"id":2722,"date":"2023-06-09T06:51:23","date_gmt":"2023-06-09T06:51:23","guid":{"rendered":"https:\/\/sofa-ms.de\/?p=2722"},"modified":"2023-06-09T06:51:49","modified_gmt":"2023-06-09T06:51:49","slug":"internationale-schutzzone-fuer-akw-saporischschja-bundesregierung-und-eu-im-atombereich-zu-leichtsinnig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sofa-ms.de\/?p=2722","title":{"rendered":"Internationale Schutzzone f\u00fcr AKW Saporischschja &#8211; Bundesregierung und EU im Atombereich zu leichtsinnig"},"content":{"rendered":"<p>Die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin IPPNW, der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband B\u00fcrgerinitiativen Umweltschutz (BBU) sowie Anti-Atomkraft-Initiativen aus Niedersachsen und NRW fordern angesichts des dramatischen Staudamm-Bruchs in der Ukraine in einer gemeinsamen Pressemitteilung eine sofortige und entschiedene diplomatische Initiative der Bundesregierung und der EU zur Einrichtung einer internationalen und entmilitarisierten Schutzzone rund um das Atomkraftwerk Saporischschja unter Aufsicht der UNO. Die Verb\u00e4nde und Initiativen f\u00fcrchten, dass das Auslaufen des zerst\u00f6rten Dnipro-Staudamms auch zu einem dramatischen Verlust an K\u00fchlwasser f\u00fcr das AKW f\u00fchren kann. Zudem sind weitere K\u00e4mpfe oder Sabotageakte rund um das AKW jederzeit m\u00f6glich. Die Zerst\u00f6rung des Staudamms sorgt auch flussabw\u00e4rts f\u00fcr eine enorme Umweltkatastrophe und f\u00fcr neues Leid.<\/p>\n<p>&#8222;&#8220;Die Lage rund um Saporischschja hat durch den zerst\u00f6rten Staudamm eine neue Alarmstufe erreicht. Mit jedem Tag, den die K\u00e4mpfe andauern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer nuklearen Katastrophe kommt. Wir fordern zusammen mit internationalen Reaktorexperten, dass Russland unter dem Schirm der UNO gemeinsam mit der Ukraine eine internationale Vereinbarung zum Schutz und zur Entmilitarisierung des AKW Saporischschja trifft \u2013 so wie es auch mitten im Krieg zum wegweisenden Getreideabkommen gekommen ist. Wichtigstes Ziel ist der Schutz des Reaktork\u00fchlsystems, um eine drohende Kernschmelze zu verhindern, die ganz Europa betreffen w\u00fcrde. Der Vorfall zeigt erneut und in grausamer Weise, dass kein AKW unter Kriegsbedingungen sicher sein kann und jederzeit unvorhergesehene oder absichtlich herbeigef\u00fchrte Unf\u00e4lle zur Katastrophe f\u00fchren k\u00f6nnen,\u201c erkl\u00e4rte die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Clau\u00dfen.<\/p>\n<p>Zudem werfen die Verb\u00e4nde und Initiativen der Bundesregierung und der EU vor, in den letzten Jahren im Atombereich viel zu leichtsinnig agiert zu haben. Trotz des Ukraine-Kriegs werden vor allem auf Druck der franz\u00f6sischen und ungarischen Regierung bis heute gemeinsame Projekte mit dem russischen Atomkonzern Rosatom vorangetrieben. Dazu z\u00e4hlen die Kooperation des franz\u00f6sischen Atomkonzerns Framatome mit Russland zur Brennelementeherstellung im nieders\u00e4chsischen Lingen sowie gemeinsam mit Siemens Energy zum Bau des von Rosatom projektierten AKW Paks in Ungarn. In der Ukraine ist Rosatom durch die Leitung des AKW Saporischschja direkt in die russische Besatzung eingebunden.<\/p>\n<p>BUND-Vorsitzender Olaf Bandt erkl\u00e4rte: \u201eDer dramatische Staudammbruch in der Ukraine zeigt abermals, dass es mit Atomkraftwerken keine Sicherheit geben kann. Auch die deutsche Bundesregierung muss die Gefahren, die von der Atomkraft ausgehen, weiter ernst nehmen und sich ihnen entgegenstellen \u2013 international und national. Sie darf sich nicht auf der Abschaltung der hiesigen AKW ausruhen, sondern muss gesetzlich daf\u00fcr sorgen, dass auch alle Urananlagen in Deutschland umgehend abgeschaltet werden. Das nukleare System darf nicht weiter aus Deutschland befeuert werden.\u201c<\/p>\n<p>Seit 2016 werden zudem vier der sechs Reaktorbl\u00f6cke in Saporischschja mit angereichertem Uran des deutsch-niederl\u00e4ndisch-britischen Uran-Anreicherers Urenco beliefert. Urenco betreibt auch im westf\u00e4lischen Gronau eine Urananreicherungsanlage. Von Gronau wird regelm\u00e4\u00dfig Uran zur schwedischen Brennelementefabrik V\u00e4steras geliefert. Die aktuellsten Exportgenehmigungen des deutschen Bundesamtes f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stammen nach Angaben des Bundesumweltministeriums vom 15. und 30. November sowie 16. Dezember 2022. Entsprechende Transporte finden regelm\u00e4\u00dfig statt. Das angereicherte Uran von Urenco wird in V\u00e4steras vom US-Konzern Westinghouse zu Brennelementen verarbeitet und dann in die Ukraine exportiert.<\/p>\n<p>Die Verb\u00e4nde und Initiativen haben diesen Uran-Deal schon 2016 scharf kritisiert, weil Saporischschja schon damals sehr nahe an der umk\u00e4mpften Region im Donbass lag. Auch zwei Bl\u00f6cke des AKW S\u00fcd-Ukraine werden von Urenco und Westinghouse beliefert. Sie liegen unweit der heutigen Kampfzone bei Cherson und damit eindeutig innerhalb der Reichweite russischer Raketen und Drohnen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir alle bezahlen heute einen enormen Preis f\u00fcr die unverantwortliche Naivit\u00e4t im Atomsektor. Warum wurde der Ukraine nicht beim Umstieg auf erneuerbare Energien geholfen? Warum wird an der Belieferung der AKW Saporischschja und S\u00fcd-Ukraine mit angereichertem Uran und Brennelementen aus der EU festgehalten, obwohl wir t\u00e4glich mit der Gefahr eines neuen Super-GAUs konfrontiert werden? Warum bleibt Rosatom trotz seiner tiefen Verwicklung in die milit\u00e4rische Besetzung des AKW Saporischschja weiter ein &#8222;normaler&#8220; Handelspartner f\u00fcr die Bundesregierung, Frankreich und die EU? Wir brauchen endlich eine sicherheitsorientierte Kehrtwende \u2013 weg vom atomaren Irrweg,&#8220; so Matthias Eickhoff vom Aktionsb\u00fcndnis M\u00fcnsterland gegen Atomanlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin IPPNW, der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband B\u00fcrgerinitiativen Umweltschutz (BBU) sowie Anti-Atomkraft-Initiativen aus Niedersachsen und NRW fordern angesichts des dramatischen Staudamm-Bruchs in der Ukraine in einer gemeinsamen Pressemitteilung eine sofortige und entschiedene diplomatische Initiative der Bundesregierung und der EU zur Einrichtung einer internationalen und<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/sofa-ms.de\/?p=2722\">lies mehr<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["entry","author-red-sofa","post-2722","post","type-post","status-publish","format-standard","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2722"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2722\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2723,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2722\/revisions\/2723"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sofa-ms.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}