{"id":2776,"date":"2023-09-01T16:44:13","date_gmt":"2023-09-01T16:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/sofa-ms.de\/?p=2776"},"modified":"2023-09-14T22:34:10","modified_gmt":"2023-09-14T22:34:10","slug":"urencos-will-uaa-gronau-ausbauen-aber-keine-verantwortung-oder-plan-fuer-uranmuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sofa-ms.de\/?p=2776","title":{"rendered":"Urenco will UAA Gronau ausbauen &#8211; aber keine Verantwortung oder Plan f\u00fcr Uranm\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p>Urenco m\u00f6chte in den kommenden Jahren die jetzige Kapazit\u00e4t der Urananreicherungsanlage in Gronau um 20 % steigern &#8211; von 3700 t auf 4500 t. Daf\u00fcr gibt es leider noch eine Genehmigung der fr\u00fcheren rot-gr\u00fcnen NRW-Landesregierung von 2005, die nach Fukushima jedoch niemals ausgenutzt wurde, u. a. weil die von Urenco belieferten japanischen AKW alle vom Netz gingen. Die Kapazit\u00e4t sank sogar in den letzten Jahren in Gronau. Jetzt hofft Urenco auf viele Kund:innen, die von Rosatom zu Urenco wechseln &#8211; und auf viele neue AKW in Osteuropa. Ob jedoch z. B. die Ukraine wirklich zwei Dutzend kleinere und gr\u00f6\u00dfere Reaktoren in den n\u00e4chsten zehn Jahren bauen wird, ist angesichts des Kriegs und der bedrohlichen Lage rund um das von Russland milit\u00e4risch besetzte AKW Saporischschja (bislang ein Kunde von Urenco &#8230;) mehr als fraglich. Auch Schwedens gro\u00df verk\u00fcndeter Atomfr\u00fchling ist schon wieder geplatzt.<\/p>\n<p>Doch dazu kommen noch dubiose weitere Bauvorhaben in Gronau: In einem Brief an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur fordert das Aktionsb\u00fcndnis M\u00fcnsterland gegen Atomanlagen Aufkl\u00e4rung zu Urencos Pl\u00e4nen, eine neue Lagerhalle f\u00fcr alte \u2013 also radioaktiv verstrahlte \u2013 Uranzentrifugen zu errichten sowie ein &#8222;Reststoffbearbeitungszentrum&#8220;, unter anderem f\u00fcr diese Uranzentrifugen. Die Atomkraftgegner:innen wollen u. a. wissen, welche atomrechtlichen Genehmigungsschritte f\u00fcr diese Bauten notwendig sind und wieweit der Antragsprozess schon fortgeschritten ist. Urenco hatte Mitte August vor dem Bauausschuss der Stadt Gronau erstmals \u00fcber diese Pl\u00e4ne berichtet. Das Aktionsb\u00fcndnis will auch wissen, wie es mit der sicheren Entsorgung der mehreren Tausend Tonnen Uranabf\u00e4lle weitergeht, die jedes Jahr im Betrieb anfallen. Dazu gibt es bislang nichtmal im Ansatz ein tragf\u00e4higes Konzept &#8211; bislang wurde nur der verantwortunglose Uranm\u00fcllexport nach Russland verfolgt.<\/p>\n<p>Auch fordern die M\u00fcnsterlander Anti-Atomkraft-Initiativen noch immer Aufkl\u00e4rung dazu, ob ein Uranfass aus der Gronauer Urananreicherungsanlage bei dem t\u00f6dlichen Unfall in der russischen Atomfabrik Novouralsk im Juli beteiligt war. Damals war ein Fass mit Uranhexafluorid explodiert \u2013 ein Mitarbeiter war bei dem Unfall verstorben, bis zu 100 weitere kamen in ein Krankenhaus. Urenco hatte von 1995 bis 2020 mehrere Zehntausend Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid von Gronau nach Russland exportiert, u. a. nach Novouralsk. Offiziell dienten die Exporte zur Wiederanreicherung, nach Einsch\u00e4tzung von russischen Umweltschutz-Organisationen jedoch nur zur Endlagerung. Ein Rechtsgutachten der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion hatte 2020 zudem festgestellt, dass die Uranexporte aus Gronau nach 2014 gegen die EU-Sanktionen in Zusammenhang mit der russischen Krim-Annektion verstie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Bundesumweltministerium hatte Mitte August auf Anfrage mitgeteilt, man habe &#8222;keine Kenntnisse&#8220; zum &#8222;genauen Hergang des Zwischenfalls&#8220;. Eine Antwort des NRW-Wirtschaftsministeriums steht noch aus. In der Gronauer Lokalausgabe der Westf\u00e4lischen Nachrichten vom 31. August ging ein Urenco-Sprecher noch dar\u00fcber hinaus: Er sagte, &#8222;dass das, was in Russland geschehe, nicht mehr in der Hand von Urenco liege bzw. sich der Kenntnis der Gruppe entziehe&#8220;.<\/p>\n<p>Dies ist ein klarer Widerspruch zu fr\u00fcheren Aussagen. Denn wenn tats\u00e4chlich eine Wiederanreicherung geplant war, dann m\u00fcssten die verwendeten Uranf\u00e4sser aus Gronau eines Tages wieder ins M\u00fcnsterland zur\u00fcckkehren. Nur wer diese R\u00fcckkehr gar nicht w\u00fcnscht oder anvisiert hat, kann ein derartiges Desinteresse am Verbleib der eigenen Uranf\u00e4sser aufbringen.<\/p>\n<p>Urenco lehnt jede Mitverantwortung f\u00fcr den Verbleib der eigenen Uranabf\u00e4lle in Russland ab. Das bedeutet schlicht &#8222;aus den Augen, aus dem Sinn&#8220;. Wer so sorglos mit seinen radioaktiven Hinterlassenschaften umgeht, sollte W\u00f6rter wie &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; nicht in den Mund nehmen. Urenco sitzt mit der Urananreicherung in einem Flugzeug, f\u00fcr deren radioaktive Abf\u00e4lle es noch immer keine sichere Landebahn gibt. Eine solche Atomanlage darf deshalb nicht l\u00e4nger in Betrieb sein &#8211; die Stilllegung der UAA Gronau ist heute mehr denn je wichtig, um endlich den atomaren Kreislauf zu durchbrechen und die notwendigen Investitionen in die Erneuerbaren voranzubringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urenco m\u00f6chte in den kommenden Jahren die jetzige Kapazit\u00e4t der Urananreicherungsanlage in Gronau um 20 % steigern &#8211; von 3700 t auf 4500 t. 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