Atommülllager Ahaus

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Geschichte des BZA
Aktuell und in Zukunft
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Geschichte:

Das sogenannte Brennelemente-Zwischenlager Ahaus (BZA), auch Transportbehälter-Lager Ahaus (TBL-A) wurde Ende der 1970er parallel zu Gorleben (TBL-G) als Standort für ein sogenanntes „zentrales“ Zwischenlager für hochradioaktive abgebrannte Brennelemente benannt. Die Halle ist eine Leichtbauhalle, die z. B. nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert ist und nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik nicht mehr genehmigungsfähig wäre.

1992 ging das Atommüll-Lager mit einem ersten Castor-Transport von abgebrannten Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm in Betrieb.

1994/95 folgten mehr als 50 Einzeltransporte für insgesamt 305 Castor-Behälter von Hamm nach Ahaus. Dagegen gab es immer wieder kleinere Demos, Mahnwache, Camps und Blockaden. So entstand Ende 1994 der Ahauser Sonntagsspaziergang an jedem dritten Sonntag um 14 Uhr. In den Folgejahren nahm der Widerstand in Ahaus deutlich zu. Die Demos wurden größer, auch Landwirte kamen mit Traktoren.

1998 wurden unter massiven Protesten von über 10 000 Menschen von rund 20 000 Polizisten sechs Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den AKW Gundremmingen und Neckarwestheim nach Ahaus gebracht. Es gab große Blockaden und hunderte Ingewahrsamnahmen. Abschließend demonstrierten 12 000 Menschen in Münster gegen weitere Castor-Transporte. In der Folgejahren wurde der Bau einer zweiten Lagerhalle in Ahaus aufgegeben.

2005 wurden dann erneut gegen den entschiedenen Protest vieler Menschen insgesamt 18 Castor-Behälter aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Dresden-Rossendorf über die Autobahnen nach Ahaus gebracht. In Dresden, an den Autobahnen und in Ahaus gab es zahlreiche Mahnwachen, Demos und Blockaden, mit bis zu 3000 Menschen.

2010 scheiterten aufgrund von Protesten russischer und deutscher Anti-Atom-Initiativen die Pläne, die Dresdener Castoren von Ahaus in die russische Atomanlage Majak zu bringen, einem der am meisten verstrahlten Standorte der Welt. Das war ein wichtiger Schritt, um ein generelles Verbot von Atommüllexporten aus Deutschland durchzusetzen.

2010 gab es zudem mit 7000 Menschen die bislang größte Anti-Atom-Demo in Ahaus.

Aktuell und in Zukunft

2009 wurden die Pläne bekannt, die insgesamt 152 „Westcastoren“ mit knapp 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln aus dem Forschungszentrum Jülich nach Ahaus zu bringen. Zahlreiche Proteste, u. a. Autobahn-Aktionstage, verhinderten diese Transporte bis heute. Zugleich wurde bislang auch ein möglicher Export der 152 Castoren aus Jülich in die USA. Im Sommer 2016 wurde die Einlagerungsgenehmigung für die Westcastoren in Ahaus erteilt – jedoch soll die Transportgenehmigung wegen einer neuen Sicherheitsrichtlinie bezüglich der Terrorgefahr vorerst nicht erteilt werden.

2010 begannen jedoch die Einlagerungen von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll in Ahaus. Offiziell sollte dieser Atommüll „nur“ zehn Jahre in Ahaus bleiben. Da es jedoch keine sichere Entsorgung gibt – die Initiativen im Münsterland lehnen den vorgeschlagenen Endlager-Standort Schacht Konrad als ungeeignet strikt ab – soll dieser Atommüll nun wesentlich länger in Ahaus bleiben.

Derzeit sollen zudem zwischen 2018 und 2036 insgesamt 17 Castoren aus dem bayrischen Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München nach Ahaus kommen. Dieser hochradioaktive Atommüll besteht aus hochangereichertem – waffenfähigem – Uran und ist deshalb auch militärisch äußerst brisant.

Betrieben wird das Atommülllager in Ahaus derzeit von der Tochter der Atomkonzerne, der GNS. An den Verantwortlichkeiten soll sich in den nächsten Jahren jedoch einiges ändern.

Ob das „Zwischen“-Lager in Ahaus wie ursprünglich angekündigt, im Jahre 2036 schließen wird, ist derzeit ebenfalls sehr unsicher, da auch für hochradioaktiven Atommüll keinerlei sichere Entsorgungsmöglichkeit gegeben ist. Die Initiativen im Münsterland lehnen auch den hierfür vorgeschlagenen Endlager-Standort Gorleben als ungeeignet strikt ab. Alternative Vorschläge sollen nun in den nächsten Jahren erarbeitet werden – allerdings lässt der Beschluss des Standortauswahlgesetzes und einer Endlagerkommission, die mehr Farce als Bürgerbeteiligung ist wenig Hoffnung auf eine sinnvolle und erfolgreiche Endlagersuche. So ist bereits vorab festgelegt, dass der Atommüll ohne Rückholmöglichkeiten in ein Bergwerk soll….

Stand: Februar 2017