Brennelementefabrik Lingen: Brandschutzmängel seit 2013 bekannt

  • Brennelementefabrik heute wieder Thema im Landtag
  • AtomkraftgegnerInnen konfrontieren Umweltminister Olaf Lies in Schüttorf mit offenen Fragen und fahrlässiger Atomaufsicht

Der Brand in der Brennelementefabrik Lingen vom Dezember 2018 ist heute erneut Thema im Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags. Dazu wurde bekannt, dass entgegen bisheriger Äußerungen ausgerechnet der Brandschutz in der Brennelementefabrik anscheinend schon seit Jahren sehr verbesserungswürdig ist.

So bekam die Brennelementefabrik beim Thema „Schutz gegen anlageninterne Brände“ beim bundesweiten „Stresstest“ von der Entsorungskommission der Bundesregierung 2013 nur das „Basislevel“ bestätigt (ESK-Bericht, S. 18). Nach Angaben des Bundesumweltministeriums gegenüber den Grünen im Bundestag (Stellungnahme des BMU, Frage 96, S. 88) führte dies dazu, dass in den vergangenen Jahren in Lingen eine umfangreiche Maßnahmenliste zur Verbesserung des Brandschutzes abgearbeitet werden musste. So wurde erst nach dem Stresstest – also nach 35 Betriebsjahren – eine Partikelschutzwand eingebaut sowie ein Gerätewagen und ein Dekontaminationszelt für die Betriebsfeuerwehr angeschafft.

Wie man jetzt weiß, verhinderten auch diese Maßnahmen nicht den Brand im Dezember 2018. Selbst die Betreiber der Brennelementefabrik in Lingen, Framatome / ANF, machten nach dem Brand noch 260 (!) potenzielle Gefahrenquellen aus. Angeblich drang nach neuesten Informationen beim Brand selbst durch die Brandschutztüren noch Rauch in die Fertigungshalle, obwohl diese sich in unterschiedlichen Brandabschnitten befinden. Das Labor, in dem der uranhaltige Verdampfer in Brand geriet, kann nicht mehr benutzt werden.

Wiederinbetriebnahme der Brennelementefabrik hätte nicht erfolgen dürfen

Es spricht Bände, dass der zuständige niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) diese bekannten Brandschutzmängel bislang mit keinem Wort öffentlich thematisiert hat. Auch hat er bislang den detaillierten Fragenkatalog des Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf weder mündlich noch schriftlich beantwortet. Eine Wiederinbetriebnahme der Anlage hätte nicht erfolgen dürfen.

Aus diesem Grund konfrontierten Atomkraftgegner_innen am gestrigen Sonntag (17.02.2019) Umweltminister Lies bei einem Besuch der SPD in Schüttorf persönlich mit einer Mahnwache, um von ihm mehr Transparenz und einen wesentlich kritischeren Kurs gegenüber den Betreibern der Brennelementefabrik zu fordern. Minister Lies stellte sich dem Gespräch mit den regionalen Anti-Atom Initiativen und sicherte zu, zeitnah die Fragen zum Brand in der Brennelementefabrik schriftlich zu beantworten.

Seit Jahren ist der Atomaufsicht in Hannover offensichtlich bekannt, dass es mit dem Brandschutz in der Brennelementefabrik Lingen nicht gut bestellt ist, dennoch verliert der zuständige Umweltminister nicht ein einziges kritisches Wort, wenn der Schadensfall wirklich eintritt. Das bisherige Verhalten des Umweltministers ist äußerst betreiberfreundlich und wird dem Ernst des Brandes in der Atomanlage nicht gerecht.