Demo gegen die Militarisierung der Urananreicherung – Uranfabriken stilllegen – Drohnengefahr ernst nehmen

Update 6. August: Der glücklicherweise misslungene Drohnenanschlag auf den Leipziger Flughafen muss auch für Gronau Konsequenzen haben – dort lagern Tausende Tonnen Uranhexafluorid völlig ungesichert auf einer großen, offenen Lagerfläche unter freiem Himmel! Das ist ein Sicherheitsalptraum. Wann wacht die NRW-Landesregierung als Atomaufsicht endlich auf und handelt??

Am 2. August demonstrierten rund 100 Menschen mit einer Fahrraddemo und einer Kundgebung an der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage in Gronau. Es ging um die in Großbritannien geplante Militarisierung der Uranreicherung – mit Zustimmung der deutschen Anteilseigner RWE und E.ON – und der Bundesregierung. Dabei geht es anscheinend u. a. um Uranbrennstoff für (neue) Atom-U-Boote. Aber auch die direkte Hochanreicherung für neue Atomwaffen ist womöglich im Spiel – total krass und das Ende der angeblich rein zivilen Nutzung der Urananreicherung bei Urenco! Damit droht mit deutscher Beteiligung eine neue atomare Rüstungsspirale in Europa.

Angesichts dessen mahnten die Redner:innen, dass wir nicht kriegstüchtig, sondern friedenstüchtig werden sollten und forderten den Beitritt Deutschlands zum internationalen Atomwaffenverbotsvertrag. Infos gab es auch zu den aktuellen AKW-Neubauplänen in den Niederlanden. Dort sollen 70% des „Klimafonds“ in die Atomkraft fließen – verrückt!

Nachdem die niederländische Regierung vor wenigen Wochen ihr Zustimmung zu den militärischen Atomplänen für Urenco öffentlich signalisiert hat, haben die Linke hat im Bundestag eine Anfrage eingereicht. Die Bundesregierung bestätigte in ihrer Antwort etwas verklausuliert die militärischen Pläne für Urenco (MLZ-Artikel hinter Paywall) und hat keine Einwände!

Inzwischen haben die Linken zur dieser Antwort der Bundesregierung schon eine zweite Anfrage eingereicht, deren Antwort in Kürze erwartet wird.

Wir wollen die atompolitisch und friedenspolitisch katastrophale Militarisierung der Urananreicherung verhindern und fordern weiterhin die Stilllegung der Uranfabriken in Gronau, Almelo und Lingen. Und wir wenden uns mit der Demo zusammen mit unseren niederländischen Freund:innen auch gegen Pläne der niederländischen Regierung, an der Emsmündung direkt gegenüber von Borkum zwei neue AKW-Blöcke bauen zu wollen.

Wenige Tage nach der Demo erinnern die Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki an die verheerenden Konsequenzen eines Atomkrieges. Rund 200 000 Menschen starben damals. Atomwaffen führen in die Katastrophe.

Wir erinnern zudem daran, dass Urenco auch im „zivilen“ Bereich sehr brisante Kunden hatte und hat: Fukushima, Tihange, Saporischschja und ganz aktuell Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Persischen Golf – dort wo seit Monaten Raketen und Drohnen hin und her fliegen. Auch Barakah selbst war schon ein Angriffsziel. Wer solche marode oder militärisch umkämpften Atomkraftwerke beliefert, handelt absolut unverantwortlich. Warum belegt die Bundesregierung Uranlieferungen an den Persischen Golf nicht mit einem Exportverbot??

Wir erinnern auch daran, dass Länder wie der Iran, Pakistan und wahrscheinlich auch Nordkorea überhaupt nur Uran anreichern können – und im Falle von Pakistan und Nordkorea auch Atomwaffen besitzen – weil es in den 1970er Jahren dem pakistanischen Atomwissenschaftler Khan in der UAA Almelo gelang, die Blaupausen für die Urananreicherung zu stehlen. Schlampigkeit bei Urenco ist also für einen erheblichen Teil mitverantwortlich dafür, dass es mit der nuklearen Nichtverbreitung überhaupt nicht geklappt hat.

Deshalb: Kommt nach Gronau und geht mit uns auf die Straße gegen diese neuen, krassen Atompläne!!

PS: Nach der Demo findet um 14 Uhr der traditionelle Sonntagsspaziergang an der UAA statt …

PPS: Leider ist die Bahnstrecke MS-Burgsteinfurt bis zum 3. August gesperrt – und der SEV nimmt keine Räder mit. Aus Münster geht es also mit Rad über Dülmen/Coesfeld. Ab Burgsteinfurt verkehren die Züge übrigens normal nach Gronau.

PPPS: Am Mittwoch, 29. Juli, findet zur Vorbereitung der Demo um 19 Uhr ein Infoabend zur Militarisierung der Urananreicherung und zum Einstieg von Rosatom in die Brennelementefertigung in Lingen im Umwelthaus Münster, Zumsandestr. 15, statt.