Urenco versucht sich vergeblich Protesten gegen Uranmüll-Exporte zu entziehen

Uranmüllzug bereits gestern nach Russland gestartet

Der von Anti-Atomkraft-Initiativen und dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)  für kommenden Montag erwartete Zug mit abgereichertem Uranhexafluorid aus der Urananreicherungsanlage Gronau ist bereits gestern (9.7.2020) gegen 11 Uhr in Gronau gestartet und hat um 12:15 Uhr das Münsteraner Stadtgebiet passiert. Auch das Schiff für den Weitertransport des gefährlichen Uranmülls soll bereits heute Abend in Amsterdam eintreffen. Der Abtransport wurde von spontanen Protesten in Gronau und Münster begleitet. Im Kreis Steinfurt  fanden in Ochtrup, Metelen, Burgsteinfurt und Nordwalde Mahnwachen und Beobachtungsaktionen statt. Auch im Ruhrgebiet wurde der Zug auf dem Weg nach Amsterdam aufgespürt.

Atommüll beim Namen nennen

Die Atomkraftgegner_Innen gehen davon aus, dass der Betreiber der Gronauer Urananreicherungsanlage Urenco (Tochterunternehmen u. a. von RWE und Eon) mit dem vorgezogenen Termin die für Montag angekündigten Proteste und somit die öffentliche Diskussion umgehen wollte. Seit Jahren fordern russische und deutsche Umweltschützer_innen, dass das abgereicherte Uranhexafluorid auch laut Gesetz endlich als das deklariert wird, was es ist: Nämlich Atommüll, der in Russland unter freiem Himmel gelagert wird. Die erneute Anreicherung lohnt sich weder wirtschaftlich, noch wird so die Entsorgung des dann erneut entstehenden abgereicherten Urans gelöst. Urenco beruft sich weiterhin darauf, dass das abgereicherte Uranhexafluorid erneut angereichert werden könne, weshalb es ein Wertstoff sei. Ob eine Neuanreicherung in Russland wirklich erfolgt, ist nicht nachvollziehbar, da Urenco  auch bemüht ist, seine Uranimporte geheim zu halten. Da passt es nur ins Bild, dass die Uranmüllexporte in aller Heimlichkeit stattfinden sollen und Urenco die Öffentlichkeitsarbeit der Umweltinitiativen durch geänderte Fahrpläne zu torpedieren versucht und die Öffentlichkeit scheut.

Der Druck auf Urenco steigt, denn die internationalen Proteste entlang der Transportroute nehmen seit Monaten zu: Per Bahn geht es von Gronau über Münster nach Hamm. Von dort gibt es drei Bahnstrecken durch das Ruhrgebiet zur niederländischen Grenze: a) Hamm-Lünen-Datteln-Recklinghausen-Oberhausen-Emmerich, b) Hamm-Dortmund-Herne-Gelsenkirchen-Oberhausen-Emmerich sowie c) Hamm-Unna-Hagen-Wuppertal-Düsseldorf/Duisburg-Mönchengladbach/Viersen-Venlo. In Amsterdam wird die Uranfracht auf die „Mikhail Dudin“ verladen und rund um Dänemark sowie an Kopenhagen/Malmö, Helsinki und Tallinn vorbei nach St. Petersburg transportiert. Danach geht es erneut per Bahn zur geschlossenen Atomstadt Novouralsk bei Ekaterinburg.

Internationale Proteste werden fortgesetzt

Die deutsch-niederländischen Proteste sind auch ein Zeichen der Solidarität mit den betroffenen Menschen in Russland und den von Repression bedrohten russischen Umweltschützer_innen. Zumal vor kurzem bekannt wurde, dass in den Niederlanden die Verschiffung weiterer Uranmüllexporte genehmigt wurde, obwohl Urenco in Deutschland behauptet hatte, die Exporte werden 2020 beendet. Die Mit-Eigentümerin RWE schwiegen sich auf Nachfrage dazu jüngst bei der Aktionärsversammlung aus. Eon-Chef Bernotat verschleierte hingegen trotz der bekannten Genehmigungen aus den Niederlanden die Aktionäre, es seine keine weiteren Transportpläne bekannt.

Für den 9. August sind die nächsten größeren Proteste vor der Urananreicherungsanlage Gronau geplant. Anlässlich des 75. Jahrestages des Atombombenabwurfes auf Nagasaki soll der Ostermarsch 2020 nachgeholt und auf die Zusammenhänge zwischen Urananreicherung und Atomwaffen aufmerksam gemacht werden. Der Ostermarsch sollte eigentlich Karfreitag stattfinden und wurde wegen der Corona-Krise verschoben.