24. August: Demo gegen Brennelementefabrik Lingen – nächtlicher Protest gegen Urantransport aus Russland

Update 25.8., 10 Uhr: Gestern Abend um 22.05 Uhr kamen die beiden Uran-LKW dann doch noch. Vorher gab es ein stundenlanges Tauziehen, wer wohl den längeren Atem hat. Als klar war, dass sich die Mahnwache vor Framatome nicht auflösen würde, wurde Polizei zusammengezogen und dann das angereicherte Uran aus Russland unter lauten Buhrufen und Pfiffen in die Brennelementefabrik gebracht. Zuvor hatte sich das Bundesumweltministerium gegenüber den Medien geweigert, die Existenz des Urantransports auch nur zu bestätigen. Was für ein schwaches und peinliches Bild in Berlin. Am frühen Abend hatten rund 80 Atomkraftgegner:innen mit dem Rad und vor der Brennelementefabrik demonstriert – wir lassen nicht locker!

Update 24.8., 9.45 Uhr: Der russische Atomfrachter „Mikhail Dudin“ hat heute morgen um 7.25 Uhr in Rotterdam angelegt – wir rechnen deshalb noch heute mit dem Weitertransport des Urans aus Russland nach Lingen. Spontan jetzt schon ab 13.45 Uhr Mahnwache vor Framatome und dann 17 Uhr Raddemo ab Marktplatz und 18 Uhr Kundgebung vor dem Werkstor von Framatome – seid dabei!

Für Montag, 24. August, rufen mehrere Anti-Atomkraft-Organisationen zu einer neuen Demo gegen die Brennelementefabrik Lingen und den geplanten Einstieg des Kreml-Atomkonzerns Rosatom auf. Start ist um 17 Uhr mit einer Raddemo ab Marktplatz Lingen, um 18 Uhr findet dann eine Kundgebung direkt vor dem Werkstor von Framatome (Am Seitenkanal 1) statt.

Es geht darum, dass das niedersächsische Umweltministerium nach einem jahrelangen Verfahren am 22. Juli völlig widersinnig den Einstieg von Rosatom in die Brennelementefertigung in Lingen genehmigt hat. Offiziell haben sich Niedersachsens Umweltminister Meyer und auch das Bundesumweltministerium immer wieder gegen das Vorhaben des französischen Atomkonzerns Framatome ausgesprochen. Es gibt massive Sicherheitsbedenken gegen die Ausweitung der Brennelementeproduktion in Lingen unter Aufsicht von Rosatom. 2024 hatten deshalb 11 000 Menschen Einwendungen erhoben, die im November 2024 bei einem dreitägigen Erörterungstermin in Lingen diskutiert wurden. Dabei wurden zahlreiche gravierende Sicherheitsmängel der Atomkooperation deutlich. 2026 unterzeichneten dann 125 000 Menschen einen Online-Appell von .ausgestrahlt zur Verhinderung des Brennelemente-Projekts.

Framatome will mit dem technischen und personellen Know-How von Rosatom sechseckige „russische“ Brennelemente für sowjetisch-russische AKW in Osteuropa herstellen. Weil Framatome verschlafen hat, diese Brennelemente selbst mit eigenem Know-How herzustellen (wie dies US-Konkurrent Westinghouse geschafft hat), macht sich Framatome nun auch auf diesem Gebiet vom Kreml abhängig. Bei der Belieferung von Uran aus Russland ist die Abhängigkeit schon jetzt sehr groß, u. a. durch den Ausfall der Uranmine im Niger durch den russlandfreundlichen Putsch vor einigen Jahren. Und weil die Brennelemente-Kooperation mit Rosatom offensichtlich so brisant ist, lagert die französische Regierung die Abwicklung nach Deutschland ins Emsland – überhaupt nicht charmant!

Uranschiff aus Russland unterwegs nach Rotterdam

Passend dazu erwarten wir genau für kommenden Montag die erneute Ankunft des russischen Atomfrachters „Mikhail Dudin“ im Hafen von Rotterdam. Am Freitagabend hatte das Uranschiff von St. Petersburg aus schon den Norden Dänemarks umrundet. Das bedeutet in diesem Fall höchstwahrscheinlich die Anlieferung von angereichertem Uran für die Brennelementefabrik in Lingen. Dafür wird in der Regel der niederländische Hafen genutzt. Eine Weiterfahrt nach Dünkirchen ist gut möglich, um dort noch mehr russisches Uran für die französische Brennelementefabrik im Südosten von Frankreich abzuladen.

Wir fordern weiterhin und eindringlich das sofortige Ende aller Urangeschäfte mit dem Kreml sowie die Rücknahme der Genehmigung für die Brennelemente-Kooperation zwischen Framatome und Rosatom in Lingen. Und natürlich sollte die Brennelementefabrik in Lingen ganz stillgelegt werden, da sie in Deutschland nach dem Atomausstieg völlig überflüssig ist und offensichtlich nur noch für sehr fragwürdige und hochriskante Atomgeschäfte gebraucht wird, die kein anderer bei sich abwickeln möchte. So wie bisher kann und darf es nicht weitergehen!!

Und so sah es vor zwei Wochen aus:

Auch am Donnerstag, 6. August, war der russische Atomfrachter „Mikhail Dudin“ im Hafen von Rotterdam. Nach öffentlichen Daten des zuständigen Bundesamtes BASE hatte er damals Brennstäbe aus Lingen mitgenommen, die dann via Russland in die von Framatome erbaute Brennelementefabrik in Kasachstan zur Endfertigung gebracht wurden. Von dort werden vor allem chinesische AKW beliefert.

Sehr krass war aber auch der misslungene Drohnenanschlag auf den Leipziger Flughafen Anfang August, der von nahezu allen Sicherheitsexperten russischen Geheimdiensten zugeschrieben wird. Dennoch soll der Kreml-Konzern Rosatom im Emsland mit seinem Know-How eine neue, feste Außenstelle erhalten – das ist absolut unverantwortlich! Wir fordern von der niedersächischen Landesregierung und der Bundesregierung die sofortige Rücknahme der Genehmigung für Rosatom in Lingen – was muss noch passieren, bis die Gefahren der hybriden Kriegsführung ernst genommen werden??

Deshalb gehen wir am 24. August erneut in Lingen auf die Straße, um weiter öffentlichen Druck gegen die unverantwortlichen Atompläne zu machen – noch ist die Genehmigung nicht rechtskräftig! Es gibt nur eine sichere Alternative: die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik Lingen!