Die NRW-Landesregierung/ das einsatzleitende Polizeipräsidium Münster verzichtete trotz akuter Drohnengefahr bei der Absicherung des 13. Castor-Transports von Jülich nach Ahaus am 19.8.26 auf den Einsatz von Begleit-Hubschraubern. Das öffnet eine gravierende Sicherheitslücke auf der 170 Kilometer langen Autobahnstrecke. Es gab öffentliche Kritik und beim 14. Castor einen Tag später waren wieder 2 Polizeihubschrauber im Einsatz.
Die Sparmaßnahmen der NRW-Landesregierung bei der Sicherung der hochradioaktiven Atommüll-Transporte nehmen immer groteskere Formen an. Während sich die Sicherheitslage durch den Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen für jedermann ersichtlich deutlich verschlechtert hat, streicht die NRW-Landesregierung die Absicherung der Castor-Konvois immer weiter zusammen. Ohne Sicherung aus der Luft sind die begleitenden Polizeikräfte am Boden praktisch blind und im Ernstfall völlig hilflos möglichen Drohnen-Attacken ausgeliefert. Die Sicherheit der Castor-Transporte wird so zu einem reinem Glücksspiel!
Wenn es weiter so geht, fahren der hochradioaktive Atommüll bald mit drei, vier Streifenwagen über die Autobahnen – weil der Landesregierung offensichtlich der Wille fehlt, die notwendigen Schutzmaßnahmen zu finanzieren. Schon jetzt ist der Begleitschutz um über 80% zurückgefahren worden. Es war jedoch immer klar, dass es sich bei der völlig überflüssigen Atommüllverlagerung von Jülich nach Ahaus um eine `sinnlose Mammutaufgabe` handelt, wie es die Gewerkschaft der Polizei treffend bezeichnet hat. Wer den Schutz des hochradioaktiven Atommülls auf den Autobahnen nicht garantieren kann und will, darf den Atommüll nicht transportieren. Wir fordern deshalb erneut eindringlich, diese sinnlosen Atommüllfahrten von einem alten Zwischenlager in ein anderes sofort abzubrechen, bevor ernsthafter Schaden entsteht! Wir erinnern an unserer Forderung aus dem Jahre 2009 in Jülich ein modernes Zwischenlager zu bauen…
Bei Castor Nr. 13 demonstrierten trotz Regenwetters 40 Atomkraftgegner in Ahaus per Rad vor dem Zwischenlager – diesmal war eine Kundgebung unmittelbar vor dem Tor möglich – die Polizei wägte offenbar zwischen Verkehrsfluss, Demonstrationsrecht und Sicherheit ab. Danach kam es zu einer spontanen Mahnwache bis zur Ankunft des Castors gegen 0.45 Uhr. Auch in Jülich fand wieder eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum statt.
Auch bei Castor Nr. 14 wurde in Jülich und Ahaus protestiert, denn das Problem löst sich nicht durch schweigen und resignieren – im Gegenteil, durch den Protest machen wir Sicherheitsmängel sichtbar. Diesmal waren wieder Polizeihubschrauber im Einsatz – ob Zufall oder wegen der Kritik bleibt unklar. Bei Duisburg wurde die Rheinbrücke mit normaler Geschwindigkeit (der Schwertransport bewegt sich i.d.R. mit ca. 60 kmh) passiert – dabei gab es Medienberichte wonach die Brücke nur im langsamen Tempo genutzt werden darf, weswegen keine Konvois möglich sind. Bei der Mahnwache in Ahaus nahm die Polizei eine Aktivistin kurzzeitig in Gewahrsam, weil sie auf dem Bürgersteig gesessen hatte – dort, wo bei den vorherigen malen auch die Mahnwache stattfand und Menschen bei der Castor-Durchfahrt standen. Diesmal war das offenbar höchst problematisch – eine sachliche oder rechtlich schlüssige Begründung gab es nicht. Bis nach Durchfahrt des Transports wurde die Aktivistin mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt in einem Polizeiauto festgehalten.
Nun verbleiben noch 138 Castoren in Jülich – im bisherigen Tempo eine Transport-Aufgabe von weiteren vier Jahren. Weitere Proteste sind geplant. Für den 17. Oktober ist in Ahaus eine große Demonstration angekündigt.
