• heute in Ahaus Info-Dialog & Mahnwache
• Dienstag erster Castor-Transport? Proteste startklar
• „Ohne Endlager ist jeder Castor-Transport sinnlos“
Castor Jülich-Ahaus Tag X1 (Dienstag?):
– 18 Uhr: Dauer-Kundgebung vor Forschungszentrum Jülich
– 18 Uhr: Demo in Ahaus vom Bahnhof zum Rathaus
– ab 20 Uhr: Nächtliche Dauer-Mahnwache vor Zwischenlager Ahaus
Mit einer Mahnwache demonstrieren Anti-Atomkraft-Initiativen am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr vor dem Ahauser Rathaus. Wir wollen vor der Infoveranstaltung der Be-treibergesellschaft des Ahauser Atommülllagers (BGZ) und der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklaeranlagen (JEN) noch einmal unseren Standpunkt verdeutlichen und den Ärger über eine verfehlte Atommüllpolitik zum Ausdruck bringen. Um 19 Uhr werden die BGZ, die Genehmigungsbehörde BASE und die JEN im Rathaus über die nun anrollenden Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus informieren. Nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiativen verdichten sich die Hinweise, dass der erste Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll von Jülich über 170 Autobahn-Kilometer nach Ahaus am Dienstag starten soll. So ist zum Beispiel ein großer Hotelbetrieb nahe Ahaus von Dienstag auf Mittwoch komplett ausgebucht, offenbar von der Polizei. Die GdP spricht inzwischen von 4500 Polizist_innen, die im Einsatz sein sollen. Diese Kosten werden allein vom Land NRW getragen werden, da diese von der Kosten-Aufteilung 70:30 zwischen Bund und Land ausgenommen sind. Die laut Bund günstigere Option erweist sich somit für NRW sicherheits- und kostentechnisch zum Bumerang. In Ahaus und Jülich sind für den ersten Tag X Proteste zu 18 Uhr vorbereitet (zum Castor-Ticker). Solidarische Unterstützung erhalten die Anti-Atom-Initiativen aus Norddeutschland, dort sind für das Frühjahr Castor-Transporte aus Sellafield/ England nach Brokdorf angekündigt. Für das Atommüll-Problem gibt es aber nirgends eine Lösung. Am Samstag gibt es deswegen auch in Norddeutschland dezentrale Protest-Aktionen.
Info-Dialog ohne zuständige Ministerien: 16 Jahre lang nichts unternommen
Für die Initiativen ist es nicht verwunderlich, dass die verantwortlichen Minister_innen aus Berlin und Düsseldorf nicht anwesend sind, sondern ihre Aufgaben an untergeordnete Ebenen delegieren.
Bereits seit 2009 war bekannt, dass die Genehmigung für das Jülicher Zwischenlager im Jahr 2013 auslaufen würde. Der damalige Wirtschaftsminister Duin (SPD) überbrückte das Castor-Debakel daraufhin mit zwei ‚Duldungen‘ für ein Jahr. Seit 2014 verfügt das jetzige Lager über keine Genehmigung mehr. Wir haben immer wieder starke Sachargumente für ein neues, möglichst sicheres Zwischenlager in Jülich vorgebracht. Diese wurden von einigen Parteien und Ministerien ignoriert, von anderen wohlwollend bis bestätigend zur Kenntnis genommen – entscheidend gehandelt wurde aber in keiner Regierungskonstellation in Düsseldorf oder Berlin. Die Atommüllverursacher in Jülich haben nur den Abtransport nach Ahaus ernsthaft verfolgt, nie aber den Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich.
„Formal-juristisch korrekt ist noch lange nicht sinnvoll und sicher“
Das Ahauser Zwischenlager hat auch nur eine Genehmigung bis 2036 und ist mit Gorleben das älteste der Bundesrepublik mit der geringsten Deckenstärke von nur ca. 20cm. In Lubmin ist aus Sicherheitsgründen ein neues Lager mit 1,8m Stahlbeton-Decke vorgesehen. Das Ahauser Lager ist nicht zukunftsfest, warum soll jetzt eine massive Castor-Lawine nach Ahaus rollen?
Da mag nun formal-juristisch alles korrekt sein, langfristig sinnvoll und praxistauglich sind diese Castor-Transporte keineswegs – aber das wird vom Atomgesetz auch nicht verlangt. Das ist ein politischer Fehler, den wir den zahlreichen, verschiedenen zuständigen Ministerien vorwerfen. Umso trauriger ist es, dass diese heute nicht persönlich hier in Ahaus Stellung nehmen!
Weiter kritisieren die Initiativen, dass es keinen Plan B gibt, wenn die riesige Transportserie nicht vollständig gelingt. Die SPD-Landtagsfraktion geht von 4 bis 8 Jahren Transportdauer aus. Was, wenn in der Zwischenzeit weitere Brücken für den Schwerlasttransport gesperrt werden oder wegen weiter verschärfter Sicherheitslage die Transportserie abgebrochen werden muss? Die 130t schweren Probe-Transporte führten über die Berliner Brücke in Duisburg, die nun gesperrt ist. Die Sperrung der Rahmedetal-Brücke kam auch von einem auf den anderen Tag – von der weltpolitischen Sicherheitslage ganz zu schweigen.
Atommüll-Dilemma im ganzen Land – auch Proteste in Norddeutschland
Die Anti-Atomkraft-Initiativen weisen die Forderungen nach neuen Atomkraftwerken zurück, denn das Atommüll-Dilemma ist überall ungelöst. Das zeigen das Endlager-Projekt Asse, die Dauernutzung der Zwischenlager und die vertagte Endlagersuche. Atommüll, von dem kein Mensch weiß, wo und wie er langfristig sicher gelagert werden könnte, von einem Ort an den nächsten zu bringen, suggeriert die Übernahme von Verantwortung, lenkt aber permanent von der Unlösbarkeit der Aufgabe ab. Wir demonstrieren solidarisch mit den Atomkraftgegner_innen in Norddeutschland gegen jegliche unsinnige Atommüllverschiebung.
Castor-Transporte und weitere Proteste schon in der nächsten Woche!?
Nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiativen soll am kommenden Dienstag (24.03.2026) der erste von insgesamt bis zu 152 Castor-Transporten mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich über eine Strecke von 170 Autobahnkilometern ins Zwischenlager Ahaus rollen.
Wenn sich die Hinweise verdichten, wird es um 18 Uhr jeweils eine Kundgebung vor dem Forschungszentrum Jülich geben sowie eine Demo ab Bahnhof Ahaus in die Innenstadt. Ab 20 Uhr ist eine nächtliche Atommüll-Dauermahnwache vor dem Zwischenlager in Ahaus-Ammeln angemeldet. Weitere kurzfristige Proteste entlang der Strecke sind möglich, so hatte es im Januar bereits eine Demo auf Autobahnbrücken an der A2 in Bottrop gegeben. Wann genau sich die Hinweise für den ersten Tag X konkretisieren, können die Anti-Atomkraft-Initiativen noch nicht genau sagen.
