Morgen im Landtags-Ausschuss: Zwischenstand CASTOR-Transporte Jülich – Ahaus

Bilanz der Anti-Atomkraft-Initiativen:

  • Viel Aufwand & Pannen für 20 von 152 Castoren
  • Atommüllverschiebung ohne Zeitplan, aber nun mit Zeitdruck?
  • Heute startet offenbar Serie mit 8 Transporten im Oktober

Für die morgige Sitzung des Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie im NRW-Landtag stehen Berichte der Landesregierung zum „Zwischenstand CASTOR-Transporte“ von Jülich nach Ahaus und zum stillgelegten Atom-Reaktor THTR-300 in Hamm-Uentrop auf der Tagesordnung. Die Anti-Atomkraft-Initiativen ziehen nun auch eine erste Castor-Zwischen-Bilanz:

Mit einigen Pannen, abnehmendem Polizeischutz und mit nahezu immer gleichen Routen und Fahrzeiten wurden in sechs Monaten 20 von 152 Castor-Behältern von Jülich nach Ahaus gebracht. Bei dem Tempo würden weit mehr als drei Jahre für die 152 Castor-Behälter benötigt. In der letzten Ausschusssitzung hatte Mona Neubaur, Chefin der NRW-Atomaufsicht berichtet, dass die Genehmigung aber auch mit Verlängerung maximal 3 Jahre gültig ist. Dann müsste ein neues Antragsverfahren gestartet werden und es gäbe weiterhin zwei Castor-Zwischenlager in NRW. Dann liegen Jülicher Castoren in zwei veralteten Hallen in Ahaus und Jülich, einmal mit und einmal ohne Genehmigung – also derselbe Zustand wie seit 2013, nur in einem anderen Mengenverhältnis. Das ist total absurd! Seit 2009 fordern wir ein modernes Zwischenlager in Jülich – das hätte längst fertig sein können!

Kein Zeitplan für Castor-Transporte trotz befristeter Genehmigung

Im Ausschussbericht heißt es weiter, dass es weder in der Genehmigung, noch von Seiten der JEN oder der Atomaufsicht einen Zeitplan für das Vorhaben gibt. „Das offenbart die Perspektivlosigkeit im Umgang mit hochradioaktivem Atommüll! Wir fühlen uns bestätigt, dass das Forschungszentrum Jülich nur seine Altlasten los werden will“, so Jens Dütting. Nach Informationen der AtomkraftgegnerInnen soll nun das Tempo angezogen werden, für den ganzen Oktober sind wöchentlich zwei Transporte angesetzt. Statt unter Zeitdruck und mit mangelnder Absicherung weitere Castoren auf die Reise zu schicken, muss ihrer Ansicht nach endlich ein neues Zwischenlager in Jülich in Angriff genommen werden. Deshalb wird es in Jülich bei jeder Abfahrt ab 20:30 Uhr eine Protest-Mahnwache geben. In Ahaus sind spontane Proteste möglich, aktuell wird eine größere Demonstration für den 17. Oktober vorbereitet.

Diese atompolitische Perspektivlosigkeit betrifft nach Meinung der Anti-Atomkraft-Initiativen auch die Urenco Urananreicherungsanlage Gronau mit dem Freiluftlager für Uranhexafluorid (äußerst giftig und radioaktiv), den Einstieg von Urenco in das britische Militärprogramm und die Kooperation der Brennelementefabrik Lingen mit der Kreml-Behörde Rosatom. Schweigen und Hoffen sind für uns keine sichere Atompolitik, wir rufen am 17. Oktober in Ahaus zu einer Demo auf. Es wird einen Fahrrad-Korso, einen Motorrad-Korso, einen Fußmarsch und gemeinsame Kundgebungen mit Live-Musik geben!

Bilanz zu den bisherigen Castor-Transporten

  • Seit Erteilung der Transport-Genehmigung am 25. August 2025 hat es bereits eine Änderungsgenehmigung kurz vor dem ersten Castor-Transport Ende März 2026 gegeben. Was und warum etwas an der Transportgenehmigung geändert werden musste, wollen die Anti-Atomkraft-Initiativen nun vom Bundesamt für die Sicherheit der nukleare Entsorgung ( BASE) in Erfahrung bringen.

  • In neun Monaten konnten 20 von 152 Castor-Behältern nach Ahaus gebracht werden.

  • Die angekündigte Bündelung zu Castor-Konvois konnte bislang nicht umgesetzt werden, nach Medienberichten wegen zu großer Brückenbelastungen.

  • Der Polizeischutz wurde immer weiter reduziert: Mindestens zweimal fehlte eine Hubschrauberbegleitung. Mehrere Brücken waren nicht bewacht und konnten ungehindert betreten werden.

  • Die Polizei hat offenbar nur den Protest im Fokus, nicht aber die grundsätzlichen Sicherheitsrisiken der Castoren, des Transports, der Zwischenlager oder des eingesetzten Personals

  • Zeiten und Strecke sind vorhersehbar für Anschläge/Sabotage

  • Ein Castor-Transport verzögerte sich wegen nicht ausreichend geladener Akkus um mehr als eine Stunde.

  • Ein Castor-Transport musste wegen technischer Probleme am LKW kurz vor dem Start abgesagt und um einen Tag verschoben werden.

  • teilweise wurden äußerst hohe Geschwindigkeiten des Castor-LKW beobachtet und gefilmt, so in einer Kurve in Ahaus